Das Wichtigste in Kürze
Was kostenlose Streaming-Dienste bieten — und was nicht
Kostenlose Streaming-Dienste lassen sich in zwei Kategorien einteilen: werbefinanzierte Plattformen (sogenannte AVOD-Dienste, Advertising Video on Demand) und öffentlich-rechtliche Mediatheken. Beide sind legal und ohne Abo nutzbar. Der Unterschied zu Netflix oder Disney+ liegt nicht nur im Preis, sondern auch im Katalog: Aktuelle Blockbuster oder Serien kurz nach TV-Ausstrahlung finden Sie hier selten. Dafür sind Klassiker, Dokumentationen, ältere Serien und Eigenproduktionen gut vertreten.
Technisch funktionieren diese Dienste über Smart-TV-Apps, Streaming-Sticks (Fire TV, Chromecast, Apple TV) oder den Browser am PC, der per HDMI am Fernseher hängt. Die meisten der unten genannten Plattformen sind ohne Registrierung nutzbar — manche verlangen eine kostenfreie Kontoerstellung.
Öffentlich-rechtliche Mediatheken: ARD, ZDF und Co.
Die Mediatheken von ARD und ZDF sind die meistgenutzten kostenlosen Streamingquellen in Deutschland. Das Angebot umfasst Sendungen aus dem laufenden Programm sowie Eigenproduktionen, Dokumentationen und ausgewählte Spielfilme. Inhalte stehen bis zu 30 Tage nach Ausstrahlung bereit, einige Produktionen dauerhaft.
- ARD Mediathek: Über 50.000 verfügbare Inhalte, darunter Serien wie „Tatort“ oder „Babylon Berlin“. App verfügbar für Samsung Smart TV, LG webOS, Fire TV, Apple TV und Android TV.
- ZDF Mediathek: Starke Dokumentations- und Kultursparte, dazu Serien und Filme. Gleiche App-Verfügbarkeit wie ARD.
- Arte: Deutsch-französischer Kulturkanal mit umfangreichem Dokumentations- und Konzertarchiv. Viele Inhalte ohne Zeitlimit abrufbar. Eigene Smart-TV-App vorhanden.
- 3sat, funk, KiKA: Ergänzende Angebote für spezifische Zielgruppen — funk besonders für 14- bis 29-Jährige mit YouTube-nahen Formaten.
Kein Konto erforderlich, keine Registrierung, keine Kosten. Die Finanzierung erfolgt über den Rundfunkbeitrag (18,36 €/Monat), den Haushalte in Deutschland ohnehin zahlen.
Pluto TV: Lineares TV und On-Demand kostenlos
Pluto TV (Betreiber: Paramount) ist der bekannteste AVOD-Dienst in Deutschland. Das Angebot umfasst über 100 lineare Kanäle — also Streams mit festem Programm wie beim klassischen TV — plus eine On-Demand-Bibliothek mit mehreren tausend Titeln.
Die Werbeunterbrechungen liegen bei 4 bis 6 Minuten pro Stunde, vergleichbar mit privatem TV. Der Katalog enthält ältere Spielfilme, B-Movies, Reality-Formate und einige Eigenproduktionen. Pluto TV ist ohne Konto nutzbar und verfügbar als App für Fire TV, Apple TV, Android TV, Samsung Tizen und LG webOS.
Tubi: Große Bibliothek, wenig bekannt
Tubi (Betreiber: Fox Corporation) ist in Deutschland deutlich weniger bekannt als in den USA, aber hierzulande verfügbar. Die On-Demand-Bibliothek umfasst über 20.000 Titel — Spielfilme und Serien quer durch alle Genres. Viele Inhalte stammen aus den 1990er- und 2000er-Jahren; aktuelle Produktionen sind selten.
Werbepausen sind ähnlich wie bei Pluto TV. Eine kostenlose Registrierung ist erforderlich. Tubi ist als App für Fire TV und Android TV verfügbar; die Smart-TV-Abdeckung bei Samsung und LG ist in Deutschland eingeschränkt — alternativ funktioniert der Browser per HDMI-Kabel am Fernseher.
Plex: Kombination aus Mediathek und eigenem Archiv
Plex ist ursprünglich ein Medienserver für eigene Filmsammlungen, hat aber eine eigene kostenfreie Streaming-Sektion aufgebaut. Das kostenlose Angebot enthält Spielfilme, Dokumentationen und Serien — überwiegend ältere Titel. Die Werbeunterbrechungen sind mit 3 bis 5 Minuten pro Stunde moderat.
Plex ist auf nahezu allen Smart-TV-Plattformen verfügbar (Samsung, LG, Sony, Fire TV, Apple TV, Roku). Wer eigene Mediendateien von einer Festplatte oder einem NAS streamen will, kann das parallel im selben Interface tun — ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber reinen AVOD-Diensten. Konto erforderlich, aber dauerhaft kostenlos nutzbar.
MagentaTV Free und Joyn: Deutsche AVOD-Angebote
Joyn (Betreiber: ProSiebenSat.1 und Discovery) bietet eine Kombination aus Live-TV und On-Demand-Inhalten. Verfügbar sind Sendungen der ProSiebenSat.1-Gruppe, ältere Kinofilme und Eigenproduktionen. Registrierung erforderlich, App für Fire TV, Apple TV und Android TV vorhanden.
MagentaTV Free ist das werbefinanzierte Angebot der Telekom und richtet sich primär an Nicht-Telekom-Kunden. Der Katalog ist kleiner als bei Pluto TV oder Tubi, enthält aber einige exklusive Lizenzinhalte. Verfügbar als Web-App und auf ausgewählten Smart-TV-Plattformen.
Übersicht: Welcher Dienst passt zu welchem Bedarf
| Dienst | Katalog | Werbung | Konto nötig | Smart-TV-Apps |
|---|---|---|---|---|
| ARD Mediathek | TV-Inhalte, Eigenproduktionen | Keine | Nein | Alle gängigen |
| ZDF Mediathek | TV-Inhalte, Dokumentationen | Keine | Nein | Alle gängigen |
| Arte | Kultur, Doku, Konzerte | Keine | Nein | Alle gängigen |
| Pluto TV | Filme, Serien, Live-Kanäle | 4-6 min/h | Nein | Alle gängigen |
| Tubi | 20.000+ Titel | 4-6 min/h | Ja (kostenlos) | Fire TV, Android TV |
| Plex | Filme, Serien + eigene Medien | 3-5 min/h | Ja (kostenlos) | Alle gängigen |
| Joyn | ProSieben-Gruppe, Filme | 4-6 min/h | Ja (kostenlos) | Fire TV, Apple TV |
So richten Sie die Apps am Fernseher ein
Smart-TVs ab Baujahr 2018 haben in der Regel einen App-Store vorinstalliert (Samsung App Store, LG Content Store, Android TV Play Store). Die meisten der genannten Dienste finden Sie dort per Suchfunktion. Installation dauert 1 bis 2 Minuten, danach direkt über die Fernbedienung bedienbar.
Fehlt die App im Store oder ist der Fernseher älter, gibt es zwei Alternativen: Ein Amazon Fire TV Stick (ab ca. 30 €) oder ein Chromecast mit Google TV (ab ca. 40 €) nachrüsten. Beide unterstützen alle genannten AVOD-Dienste und lassen sich in wenigen Minuten einrichten. Wer ein iPhone oder iPad hat, kann Inhalte von ARD, ZDF und Arte auch per AirPlay direkt auf den Fernseher spiegeln, sofern dieser AirPlay 2 unterstützt.
Für eine stabile Wiedergabe in HD reicht eine Internetverbindung mit mindestens 5 Mbit/s aus; für 4K-Inhalte (nur bei wenigen kostenlosen Diensten verfügbar) sind 25 Mbit/s empfehlenswert. WLAN ist ausreichend, ein LAN-Kabel direkt am Fernseher reduziert jedoch Pufferprobleme bei schwachem WLAN-Signal spürbar.