Wer in Deutschland nach einer Alternative zu Netflix oder Amazon sucht und gezielt deutschsprachige Inhalte, nationale Sportübertragungen oder heimische Serienproduktionen streamen will, steht vor der Wahl zwischen zwei Plattformen: Joyn+ und RTL+. Beide kosten ähnlich viel, stammen aus dem klassischen TV-Konzernumfeld und versuchen sich als vollwertige Streamingdienste zu positionieren. Wer noch unentschlossen ist und kein Doppelabo will, sollte diesen Vergleich bis zur Kaufempfehlung lesen.
Der Vergleich bewertet sechs Kriterien. Am stärksten gewichtet: die Inhaltsbibliothek – denn der Umfang verfügbarer Titel ist das Kernversprechen jedes Streamingdienstes. Direkt dahinter folgen Werbefreiheit und Kosten, weil beide Plattformen kostenlose Einstiegsstufen mit Werbung anbieten und sich erst im bezahlten Tier wirklich differenzieren. Exklusivinhalte erhalten ebenfalls hohes Gewicht, da Eigenproduktionen der einzige Grund sind, einen Dienst dauerhaft zu abonnieren statt zu kündigen. Nutzerfreundlichkeit und gleichzeitige Streams fließen mit mittlerem Gewicht ein – sie sind Hygienefaktoren, keine Alleinstellungsmerkmale.
RTL+ setzt sich mit einem Score von 7,8 gegen Joyn+ (Score: 6,9) durch. Der entscheidende Faktor: die Tiefe der Bibliothek. RTL+ verfügt über ein breiteres Portfolio an deutschen Eigenproduktionen – Historienserien, Crime-Formate und Reality-Inhalte – und hat zusätzlich internationale Lizenzpartnerschaften ausgebaut. Joyn+ punktet mit schnellerer Navigation auf manchen Smart-TV-Systemen, kann aber die schmalere Serienauswahl nicht kompensieren.
Preislich trennt die beiden Dienste im Premium-Tier kaum etwas: beide liegen bei rund 6,99 €/Monat. Der Free-Tier beider Plattformen läuft werbefinanziert und ist für Intensivnutzer keine dauerhafte Option. RTL+ erlaubt im Premium-Abo bis zu drei gleichzeitige Streams, Joyn+ liegt im gleichen Bereich. Technisch sind beide auf Android, iOS, Fire TV, Samsung- und LG-Smart-TVs verfügbar – Lücken gibt es kaum noch.
Auffällig: Beide Dienste haben Schwächen bei der Suchfunktion. Filtermöglichkeiten nach Genre, Erscheinungsjahr oder Produktionsland sind auf beiden Plattformen ausbaufähig. Wer gezielt stöbert statt passiv zu schauen, wird das merken.
Für Serien-Fans mit Fokus auf deutsche Produktionen ist RTL+ die klarere Wahl. Die Bandbreite an Eigenformaten – von Drama bis Doku – ist größer, und die Bibliothek wächst kontinuierlich.
Für ProSiebenSat.1-Zuschauer, die ohnehin ShowTime, Kabel Eins und ProSieben-Inhalte konsumieren, macht Joyn+ mehr Sinn: Die Integration des linearen Programms ist nahtloser, und das Ökosystem fühlt sich vertrauter an.
Für Haushalte mit Kindern bietet RTL+ mit dem RTL+-Kids-Bereich strukturiertere Kinderinhalte. Joyn+ hat hier weniger Tiefe.
Wer nur ein Abo will und Wert auf die größere Auswahl legt: RTL+ ist aktuell der ausgereiftere Dienst. Joyn+ ist eine sinnvolle Ergänzung – aber kein vollständiger Ersatz.