Wer einen Smart TV an einen Streamingdienst anschließt, trifft eine Entscheidung, die über Kabelaufwand oder Verbindungsqualität hinausgeht. 4K-Streams mit Dolby Vision benötigen je nach Dienst 15 bis 80 Mbit/s stabile Bitrate ohne Schwankungen. Cloud-Gaming-Dienste fordern Latenzen unter 20 ms. Ob das WLAN oder LAN leisten kann, hängt von Wohnungsgeometrie, Routergeneration und Nutzungsintensität ab – nicht von der Theorie auf der Verpackung.
Verbindungsstabilität und Störanfälligkeit tragen im Vergleich das höchste Gewicht, weil selbst kurze Aussetzer von unter einer Sekunde Puffern auslösen und bei Live-Events oder Gaming sofort sichtbar werden. Durchsatz und Latenz folgen auf Platz zwei: Ein TV mit 4K HDR und Atmos-Ton fordert Spitzenbitraten um 80 Mbit/s – das schaffen viele WLAN-Setups rechnerisch, aber nicht dauerhaft unter Last. Einrichtungsaufwand fließt mit mittlerem Gewicht ein, weil Kabelverlegung durch Mietwohnung und Bestandsbau oft nicht trivial ist. Flexibilität und Kosten werden geringer gewichtet: Sie entscheiden eher über die Methode der Umsetzung als über die grundsätzliche Qualität der Verbindung.
Das Muster ist eindeutig: Alle drei LAN-Varianten – direkt, per Powerline oder MoCA – landen vor allen WLAN-Setups. Direkt-LAN holt mit 9,4 Punkten den Spitzenplatz, weil es als einzige Methode Durchsatz, Latenz und Stabilität gleichzeitig maximiert. Powerline und MoCA verlieren Punkte durch Infrastrukturabhängigkeit, bieten aber gegenüber WLAN immer noch messbare Stabilitätsvorteile.
WLAN 6 im 5-GHz-Band ist die erste Funkoption mit praxistauglichem Score (7,2), aber nur unter günstigen Bedingungen: kurze Distanz, Sichtverbindung, wenige konkurrierende Netze. Schon eine Stahlbetonwand zwischen Router und TV kostet real 40–60 % Durchsatz. WLAN 5 im 5-GHz-Band reicht für HD-Streaming noch aus, für stabiles 4K HDR unter Alltagsbedingungen nicht zuverlässig. Das 2,4-GHz-Band und Repeater-Setups scheiden für Streaming-Ansprüche aus: Hier sind Pufferprobleme keine Ausnahme, sondern die Regel.
Eigenheim, Neubau oder Renovierung: Netzwerkkabel (Cat. 6A) beim Rohbau oder in der Sanierungsphase mit einziehen. Kosten: 0,50–1,20 €/m plus Verlegearbeit. Einmaliger Aufwand, dauerhafter Gewinn.
Mietwohnung ohne Kabelkanal-Option: Powerline-Adapter mit G.hn-Standard (z.B. devolo Magic 2 LAN, ca. 80–130 € pro Einheit) liefern Ethernet-Qualität ohne Leitungsverlegung – vorausgesetzt, Router und TV hängen an derselben Sicherungsphase.
TV im selben Raum wie der Router: WLAN 6 im 5-GHz-Band ist akzeptabel und spart Kabelaufwand. Priorität im Router auf den TV-Port setzen (QoS), 2,4 GHz am TV deaktivieren.
Gewerbe, Hotel, Ferienwohnung: Ausschließlich LAN – direkt oder über strukturierte Verkabelung. WLAN im Mehrnutzer-Betrieb mit konkurrierenden Geräten ist für 4K-Streaming nicht planbar.